Hunnius Eduard, Constantin, Wolfgang

Eduard, Constantin, Wolfgang Hunnius
b: 25 Aprils 1870
d: 3 Juli 1920
Biographie
Seit 1900 frei praktizierender Arzt in Reval. 1888 - 1894 Student der Medizin zu Dorpat (Estonus), 1895 Assistent an der Mellinschen Klinik zu Dorpat, 1896 -1899 Arzt am Lepra-Krnakenhause zu Kuda, setzte seine Studien im Auslande fort. Unverheiratet. Aussagen von Ph! W. Hunnius zur Pluserei in der Kl. Schmiede. Ich, der Endesunterzeichneter, erlaube mir zu der Affäre in der Fuchsburg in der Schlosstr. in der Nähe von 8 zum 9 Sept. folgende Aussage zu machen: Wir sassen im C!Q! spät in der Nacht. Es war von den F!F! nur Normann anwesend, der sehr müde war. Einer der F!F!, ich glaube Mickwitz, schickte Normann nach Hause, mit dem Auftrage einen andern Coetus zu schicken, da er zu müde sei; doch sollte er, falls kein Coetus ihn ablösen wolle, wiederkommen. Nach einiger Zeit kam der Fuhrmann allein zurück, mit der Erklärung, die F!F! liessen sagen, sie kämen nicht. Hierauf erklärte ich eine derartige Insubordination müsse im Keime erstickt werden, man müsse hinfahren und die F!F! schrägen. Unterdessen erschien F! Tiesenhausen und wurde beauftragt da wir von unserem einmal gefassten Plan nicht lassen wollten, Zweispänner und Bengal zu besorgen. Nach einiger Zeit erschien er wieder mit den Fuhrleuten, erklärte aber, in die Apotheke nicht hineinkommen zu können. Wir machten uns also auf, und während der eine Zweispänner vorausfuhr, hielten wir bei der Apotheke an und nachdem wir uns Einlass verschafft hatten, kaufte ich ein Pfund rote Bengal. Währenddessen fiel es Ph! Nottbeck ein Raketen zu kaufen; wir übrigen waren damit einverstanden und wollten dieselben irgendwo in der Stadt, oder auf dem Dom abbrennen, um die Polizei zu ärgern. Ich riet zum selben Zweck noch Kanonenschläge mitzunehmen. Das Bengal wollte ich, um die geschrägten F!F! zu trösten und ihnen eine Freude zu machen, vor der Burg abbrennen, eventuell auch dazu lebende Bilder stellen. Als wir vor der Burg ankamen, kam uns ein L!, ich glaube Engelhardt, entgegen und sagte: „Die F!F! sind, während wir in die Burg gingen, mit unsrem Zweispänner fortgefahren". „Diese Bosheit wollen wir ihnen eintränken", sagte ich, „wir wollen doch schrägen". Ich ging in die Burg und fand die L!L! schon in voller Tätigkeit: Ich ging durch die Räume und sah, dass die Sache so ziemlich den alten Traditionen entsprechend erledigt war. In eben dieser Burg habe ich mehrfach ähnliche Scenen in früheren Jahren erlebt. Dass die Pisstöpfe umgefallen waren, ärgerte mich, denn früher stellte man sie anfangs vorsichtig beiseite, und erst zum Schluss vorsichtig, oben auf die Möbelpyramide auf. Es war aber nicht mehr zu ändern, und nachdem ich noch hier und da die Unordnung etwas malerischer gestaltet hatte, indem ich die Sachen mehr zusammenschob, hängte ich noch einen Stuhl an den Kronleuchter und trat dann auf die Treppe zu oberen Zimmer, um den Gesamteindruck auf mich wirken zu lassen. Im selben Augenblick rief jemand „Achtung!" und der Kanonenschuss ging los; wer rief, und wer ihn angezündet hat, weiss ich nicht. Ich ärgerte mich darüber, nicht wegen des Lärmes, denn früher wurde zu solchen Gelegenheiten zuweilen mit Revolvern geschossen, sonder weil ich Feuerschaden fürchtete. Gleich darauf sah ich zwei Reketen mit brennenden Lunten zwischen den Möbeln im unteren Zimmer. Ich war durch die Möbelpyramide von ihnen getrennt und da mir die Fähigkeiten der leicht flüssigen Gemse von Jugend auf versagt gewesen sind, so hätte ich die Raketen wol auch nicht mehr rechtzeitig erreicht. Ich machte aber auch keinen Versuch dazu, da ich erstens bemerkte, dass die Raketen durchs offene Fenster gehen mussten, und ich ausserdem von jeher eine grosse Hochachtung vor brennenden Feuerwerkkörpern habe. Zudem, wie gesagt, fürchtete ich nur Feuer, der Lärm war mir gleichgültig, obwol ich wol glaubte, dass der Knall trotz der geschlossenen Fenster zu hören wäre, - denn Lärm wurde früher häufig gemacht nächtlicherweise und ausser einem übereifrigen Polizisten hin und wieder, kümmerte sich niemand darum. Als ich in das vordere Zimmer kam, sah ich, wie Mickwitz ein Buch in der Hand hielt, ich sagte: „Bücher in Ruhe lassen, wir sind studierte Leute, oder wollen es werden". An der allgemeinen Zustimmung und daran, dass Mickwitz das Buch ruhig in den Schrank stellte, sah ich, dass ich ihn in einem falschen Verdacht gehabt hatte. Hierauf verliessen wir die Burg. Auf der Strasse wurden noch zwei Raketenabgeschossen. Darauf fuhren wir in den Wallgraben, brannten zu Ehren des Ph! Adelheimvor dem Pathologischen Institut seine Rakete ab und dann vor der Ruine mehrere und auch das Bengal, bis das Auge des Gesetztes in Form eines Polizisten auf uns aufmerksam wurde. Hierauf fuhren wir davon und wollten uns wieder ins C!Q! begeben. Unterwegs sagte Riesenkampff, der jetzt mit Engelhardt und mir zusammen fuhr: „Wir wollen wieder in die Fuchsburg, sie werden jetzt zurückgekommen sein". „Jawol", sagte ich, „sie werden jetzt den Schaden besehen; wir wollen über sie kommen und ihnen ihre Bosheit auf den Kopf bezahlen". Als wir vorfuhren, sahen wir einen Haufen Menschen, unter ihnen die F!F! und Ph! Schmidt, mit Hemd und Hose bekleidet. Er stürzte auf unseren Wagen zu und begann uns in der heftigsten Weise Vorwürfe zu machen.Ich sagte, die Achsel zuckend, weil ich seine Erregung in keiner weise begriff: „Was soll man nun dazu sagen?" Er antwortete: „Sie können gar nichts sagen; einen kranken Menschen schrecken Sie mit Schüssen aus demBett; schon die vorige Nacht kam ich nicht zum Schlafen wegen der Feier, und das ist nun der Dank für meine Liebenswürdigkeit, dass ich mein Haus den F!F! zu ihrer Feier eingeräumt habe; wussten Sie nicht, dass ich krank war und deswegen den Stiftungstag nicht mitmachen konnten?" Ich sagte: „Das wusste ich wol", und wollte noch hinzufügen, dass ich die Krankheit aber nicht für gefährlich gehalten hätte, eben gerade weil er denFechtbodistenstiftungstag in der Fuchsburg zu feiern gestattet hatte. Er liess mich aber nicht ausreden, sondern rief: "Schämen Sie sich nicht, ist dies Benehmen gebildeter Menschen würdig?" Da sagt ich, dass Ph! Schmidt zu erregt war, um mit ihm ruhig reden zu können, brach ich das unerquickliche Gespräch ab und hiess den Fuhrmann ins C!Q! fahren. Um die sehr gedrückte Stimmung eines Teiles der L!L! zu heben, veranstalteten Ph! Nottbeck und ich einen Blumencorso im C!Q! Garten, mit Militärmusik. Und als danach gegen Mittag die Stimmung wieder abzuflauen begann, regte ich die Idee der Prozession an. In wiefern dieser letztere vollständig harmlose Scherz als Verhöhnung aufgefasst werden konnte, verstehe ich umsoweniger, als es doch durchaus statthaft ist in das Quartier eines Hauses zu gehen und dort irgend etwas vorzunehmen, auch wenn man mit dem Hausbesitzerin einem etwas gespannten Verhältnis steht; und durch Lärm, oder wüstes Benehmen ist in diesem Fall, wir Ph! Schmidt selbst zugibt, niemand gestört worden. Soweit die Tatsachen. Was nun das Strafbare der Vorgänge vom 9/IX anbetrifft, so erlaube ich mit hierzu zu bemerken. Den an den Vorgängen Beteiligten wird ein 4-facher Vorwurf gemacht: 1) der nächtliche Radau, 2) die Beschädigung des Inventares der F! Burg, 3) die Forderung des Ph! Schmidt, 4) die angebliche Verhöhnung des Ph! Schmidt, unseres P! durch den Maskenaufzug. Zu P.1. möchte ich bemerken, dass das Randalieren in Fuchsburgen meines Wissens so alt ist, wie der Stand der F!F! . Zum mindesten existiert die Sitte nächtlicherweise in Fuchsburgen einzudringen schon im Jahre 88 desvorigen Jahrhunderts, als ich zur Universität kam, und war auch schon damals nichts neues. Diese Sitte hat die ganze Zeit über seither fortbestanden und habe ich sowol in meiner Universitätszeit, als auch als Ph! Wiederholt mit älteren und jüngeren Leuten zusammen F!F! geschrägt und in den Burgen das unterste zu oberst gekehrt. In derselben Burg, deren Entweihung in Philisterkreisen so viel Empörung verursacht, haben sich die gleichen Vorgänge wie am 9/IX unter meinen Augen des häufigeren abgespielt. Damals bewohnte das grosse Haus des Ph! Schmidts Vater. Er war alt und auch kränklich und schätzte vermutlich die Nachtruhe nicht minder wie sein Sohn. Aber wie wenig er und nachher seine Witwe von derartigen Vorgängen Wesens machte, geht aus der Tatsache hervor, dass der Ph! Schmidt augenscheinlich nie etwas von diesen Dingen erfahren hat und vor den Vorgängen am 9/IX wie vor einem in unseren Breiten unerhörten Naturereignis, etwa einem Erdbeben, stand. Das einzig neue waren vielleicht die Raketen, die früher durch Revolverschüsse ersetzt wurden, deren Kugeln noch in den Wänden stecken müssen. Auch in anderen Burgen, wie z.B. in der Gartenstrasse im Schmidtschen Hause, haben ähnliche Vorgänge stattgefunden und lag dort die F! Burg über der Wohnung des Ph! . Niemals ist der C! um Beistand angegangen worden und erschien einmal die Sache zu arg, so wurde sie persönlich beigelegt. Nun ändern sich ja die Auffassungen im Laufe der Zeit und auch sonst ist es schon in der Geschichte vorgekommen, dass, was den Vätern ein harmloser Scherz erschien, von den Söhnen als schweres, schandbares Verbrechen dargestellt wurde. Gegen eine derartige Entwicklung der Ansichten lässt sich ja an und für sich nichts einwenden, doch, selbst die Richtigkeit derselben zugegeben, so trifft die Schuld an den Vorgängen nicht die Ph!Ph! und L!L!, sondern ausschliesslich die F!F!. Wir wussten ja wol, dass Ph! Schmidt krankheitshalber den Stiftungstag nicht mitgemacht hatte, aber zwischen Krankheit und Krankheit ist oft ein himmelweiter Unterschied. Die F!F! und speziell der Sohn mussten aber wissen, wie der Zustand des Ph! Schmidt war, und dass ihn bereits die vorhergehende Nacht stark angegriffen hatte, und da war es die verfluchte Pflicht und Schuldigkeit des F! Schmidt uns an der Pforte entgegenzutreten und zu sagen: „Bitte macht keinen Radau, mein Vater ist wirklich schwer krank", und die ganze Sache wäre totsicher unterblieben. Stattdessen zogen es der F! Schmidt und seine Coeten vor Indianer zu spielen und sich im Busch zu verstecken; was Wunder, dass die L!L! aufs Spiel eingingen und sich ihrerseits als siegreicher Indianerstamm benahmen. Was nun den P. 2. betrifft, so ist der Umstand, dass einzelne Möbelstücke zu Schaden gekommen sind, gewiss bedauerlich, doch lässt sich das bei derartigen Vorgängen nicht immer vermeiden, denn abgesehen davon, dass die bei solchen Affären Beteiligten meist nicht auf Möbeltransport geschult sind, ist auch häufig das Inventar etwas brüchig und sogar nicht immer einer liebevollen, geschweige denn einer unfreundlichen Behandlung gewachsen. Wenn jemand möblierte Wohnungen vermietet, so muss er immer damit rechnen, das Mobiliar nicht in gleichem Zustande zurückzuerhalten und muss das beim Vermieten bedenken und bei der Miete berechnen, besonders wenn er an F!F! vermietet. Da nun das Inventar im Laufe des Semesters so wie so gelitten hätte und eine Enttäuschung, wenn sie doch einmal eintreten muss, sich lieber früher, als später, fühlbar macht, so sehe ich durchaus keinen Grund ein die paar Fensterscheiben und Stuhllehnen tragisch zu nehmen. Sollte der Schaden doch wirklich ein erheblicher sein, so werden die an der Affäre Beteiligten, sich gewiss nicht weigern denselben unter sich zu repartieren, falls Ph! Schmidt eine Rechnung vorstellt. Was nun P.3. anbetrifft, so war ich anfangs selbst im Zweifel, ob von unsrer Seite eine Forderung fallen sollte, oder ob wir letzteres Ph! Schmidt überlassen sollten. Denn dass die Sache persönlich, und nicht conventlich geregelt werden würde, stand meiner Ansicht nach, ganz selbstverständlich fest. Da aber die Ausfälle des Ph! Schmidt gegen uns auf offener Strasse, in Gegenwart von Fremden, wie ich nachher hörte, Curschen Fechtbodisten stattgefunden hatte, so schloss ich mich den L!L! an, die meinten von uns aus sollte eine Forderung erfolgen. Was nun aber den P.4. anbetrifft, die angebliche Verhöhnung des Ph! Schmidt, unseres Parten, so muss ich eine derartige Anschauung als vollständig unhaltbar zurückweisen. Denn selbst wenn wir um die Zeit schon gewusst hätten, dass unsre Forderung an Ph! Schmidt gelangt war, so konnte uns das doch in keiner Weise daran hindern, unsern durchaus harmlosen und von allen Unbeteiligten durchaus mit Humor aufgefassten Scherz auszuführen.Dass Strassen und Häuser in der Umgebung des Wohnorts eines Parten zu neiden, wird nirgends im Comment, noch in der Gesellschaft verlangt; auch würde das unter Umständen, bei einem Partenverhältnis mit Leuten, di über grosse Liegenschaften verfügen, zu ganz unhaltbaren Zuständen führen. Was aber den Aufzug als solchen anbetrifft, so würde ich zur Not begreifen, wenn die Orthodoxe oder Katholische Studentenschaft daran Anstoss genommen hätte; weshalb aber der Lutherisch Ph! Schmidt darin eine Nichtachtung seiner Person sieht, ist mir vollständig unerfindlich. Zum Schluss möchte ich noch folgende Vorschläge zur Güte machen: 1) kränkliche und nervöse Ph!Ph! sollen in ihren Häusern keine Fuchsburgen einrichten; 2) tun sie es dennoch, so sollen sie dieselben mit einem möglichst festen und wertlosen Inventar ausstatten, und, falls sie für übermütige Scherze kein Verständnis haben, die sich daraus ergebenden Zerwürfnisse mit den L!L! persönlich austragen und nicht den C! hineinzuziehen, da dadurch der zwischen dem aktive Corps und den Ph!Ph! immer mehr zunehmenden Entfremdung nur Vorschub geleistet wird. «tab»«tab»«tab»«tab»«tab» Gez. W. Hunnius Est. (Abschrift vom Original-Durchschlag)
Daten
  • 25 Aprils 1870 - Birth, Maholm, Estland
  • 3 Juli 1920 - Death - Y, Reval, Estland
Vorfahren
   
Constantin Hunnius
27 Januars 1807 - 3 Februars 1868
 
 
Fromhold, Hermann Hunnius
4 Novembers 1836 - 6 Oktobers 1903
  
  
  
Henriette Dorothea Hesse
25 Oktobers 1806 - 27 Februars 1849
 
Eduard, Constantin, Wolfgang Hunnius
25 Aprils 1870 - 3 Juli 1920
  
 
  
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Familiengruppenblatt - Kind
ELTERN (M) Fromhold, Hermann Hunnius
Geburt4 Novembers 1836Narwa, Estland
Tod6 Oktobers 1903 Maholm, Estland
Heirat10 Januars 1865to Charlotte (Otti), Amalie, Auguste, Marie von Frisch at Weißenstein, Estland
VaterConstantin Hunnius
MutterHenriette Dorothea Hesse
ELTERN (F) Charlotte (Otti), Amalie, Auguste, Marie von Frisch
Geburt13 Januars 1847Weissenstein (Paide), Järvamaa, Estland
Tod17 Augusts 1926 Haapsalu, Haapsalu linn, Lääne County, Estonia
Heirat10 Januars 1865to Fromhold, Hermann Hunnius at Weißenstein, Estland
Vater?
Mutter?
KINDER
FLucie, Anna, Ida Hunnius
Geburt12 Januars 1875Maholm, Estland
Tod4 März 1885
FMonica, Elisabeth, Pauline Hunnius
Geburt20 Juli 1878Maholm, Estland
Tod20 Aprils 1933Reval, Estland
MEdmund (Edy), Lionel, Robert Hunnius
Geburt7 Juli 1881Maholm, Estland
Tod
MTheodor (Theo), Lucian, Hermann Hunnius
Geburt4 Juli 1885Maholm, Estland
Tod5 Juni 1928Landsberg/Warthe
FMaria Henriette Clara Hunnius
Geburt10 Mai 1865Maholm, Estland
Tod
MEduard, Constantin, Wolfgang Hunnius
Geburt25 Aprils 1870Maholm, Estland
Tod3 Juli 1920Reval, Estland
MCarl, Abraham, Rudolf Hunnius
Geburt6 Dezembers 1873Maholm, Estland
Tod25 Aprils 1964Wyk Auf Föhr
Heirat11 Juni 1910to Elisabeth Caroline Westermann at Jelgava, Jelgavas pilsēta, Latvia
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